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Was für eine Messe: Das Heilbronner Sinfonie Orchester und der Heinrich-Schütz-Chor nahmen sich der Messe Nr.1 d-Moll von Anton Bruckner an.

 

So ein Publikum ist schon ein wundersames Ding, gerade, wenn es gemeinschaftlich und in aller Freundschaft schweigt. Und schweigt und schweigt. Man möchte es loben und preisen. Nein, da liegt kein unhöfliches Schweigen in der Luft, kein störendes oder gar beleidigendes. Das Publikum in der Kilianskirche Heilbronn möchte einfach nur Kraft tanken, noch einmal nachsinnen, dem eben Gehörten nachlauschen.

 

Allzu aufwühlend war die Messe Nr.1 d-Moll von Anton Bruckner (1824-1896), allzu fordernd und an den Nerven zehrend. Spät, die Zeit scheint stehengeblieben zu sein, brandet dann Applaus auf. Das Publikum scheint erlöst und mit ihm die vielen Mitwirkenden dieses bemerkenswerten Konzerterlebnisses in der gut besuchten, jedoch nicht ausverkauften Kilianskirche.

 

Was geschehen war? In einer in jeder Hinsicht konzertierten Aktion haben unter der mitreißenden künstlerischen Gesamtleitung von Michael Böttcher wieder einmal das Heilbronner Sinfonie Orchester (HSO) und der Heinrich-Schütz-Chor zueinander gefunden und ein anspruchsvolles Programm zusammengestellt. Das ist geschehen.

 

Vorsichtig tastend

Da ist dieser Koloss von Messe von Anton Bruckner, die unter dem von Bruckner nie verleugneten Einfluss von Richard Wagners "Tannhäuser" entstanden war und 1864 in Linz uraufgeführt wurde. Heute wird sie als sein Schlüsselwerk bezeichnet, als jenes Werk, das Bruckner den Weg zu seinem späteren, sinfonisch geprägten Orchesterstil eröffnen sollte. Und auch das hört und spürt vor allem das verständige Publikum: diese spannungsreiche wie faszinierende und stets einnehmende Divergenz zwischen dem ganz weich und vorsichtig tastenden, überaus sensibel agierenden Heilbronner Sinfonie Orchester, das Bruckners Sprache nach allen Regeln der Kunst entschlüsseln möchte. Und dem wuchtigen, dabei immer präzisen Heinrich-Schütz-Chor mit seinen rund 60 Sängerinnen und Sängern, der bekannt ist für opulente Mehrstimmigkeit und sich von Bruckner durchaus herausgefordert sieht: sich aber nicht in Verlegenheit bringen oder gar ins Bockshorn jagen lässt.

 

Erste Sporen

Und dann sind da noch die vier Solisten aus der Gesangsklasse von Thomas Heyer, Professor an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Frankfurt: Vanessa Diny (Sopran) und Marta Swiderska (Alt), Hyo Sang "Isaac" Lee (Tenor) und Timon Führ (Bariton). Alle haben sie sich bereits ihre ersten Sporen verdient, sei es bei der Jungen Oper Rhein-Main, sei es als Solist beim Poland Philharmonic Orchestra in Danzig.

Eröffnet wurde das Konzert mit der Sinfonie Nr 7 h-Moll von Franz Schubert, besser bekannt als "Die Unvollendete". Auch hier zeigen sich die Musiker des Sinfonie Orchesters unter dem Dirigat von Michael Böttcher als Suchende, die sich in vollendeter Schönheit des Werkes des früh verstorbenen Melancholikers annehmen.

 

 

 

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